Archive für Mai 2010

“Hoffnung für verfolgte Christen”

Mehrere Hundert Besucher am Stand der überkonfessionellen christlichen Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International beim 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München

CSI-Deutschland erweiterte das Motto des 2. ökumenischen Kirchentages: „Damit ihr Hoffnung habt” durch “Hoffnung für verfolgte Christen!”. Im Rahmen der Thementage zu chaldäischen, assyrischen und koptischen Christen gaben Christen aus dem Irak, der Türkei und Ägypten am CSI-Stand bereitwillig Antworten über die Situation von Christen in ihren Heimatländern.

An der großen Infowand mit der aktuellen Weltkarte für Religionsfreiheit blieben viele Besucher stehen um sich ein Bild zu machen, in welchem Land Diakonie, Mission oder Kultus in welchem Maße behindert wird. Dies führte zu intensiven Gesprächen.

Geschäftführerin Ingrid Lang-Seigis und Mitarbeiterinnen antworteten gerne auf Fragen über die unterschiedlichen Gründe von Einschränkungen der Religionsfreiheit in den farbig markierten Ländern.

Mehrere Hundert Standbesucher nahmen Tüten mit CSI-Infomaterial mit, in denen sich auch eine Danke-Kerze befand, Gott für die Freiheit zu danken, in unserem Land unseren Glauben frei leben zu dürfen und für Christen zu beten, die diese Freiheit nicht haben.

Hinhaltetaktik der Türkei geht weiter – Verhandlung im Fall Mor Gabriel erneut vertagt

Von Marianne Brückl

2010-05-05

Am Mittwoch, den 05. Mai 2010, wurde in der südosttürkischen Stadt Midyat gegen den Vorsitzenden der Klosterstiftung Mor Gabriel, Kuryakos Ergün, wegen der angeblich widerrechtlich auf Staatsforst erbauten Klostermauer verhandelt. Wie bereits im Vorfeld von den Betroffenen vermutet, gab es auch diesmal wieder keine Entscheidung. Stattdessen wurde ein neuer Termin anberaumt. Der Prozess wurde auf den 14. Juli vertagt. 

Wer glaubte, dass es heute zu einer Entscheidung im Prozess Mor Gabriel kommen würde, der irrte gewaltig. Die Hinhaltetaktik der Türkei geht weiter. Was die betroffene Gemeinschaft im Kloster bereits vermutete hatte, und auch viele Sympathisanten des syrisch-orthodoxen Klosters, bestätigte sich. Statt einem Ende mit Schrecken bleibt es weiterhin bei einem Schrecken ohne Ende. Denn erst am 14. Juli soll es nun die nächste Verhandlung geben.

Seit Ende 2008 wird von türkischer Seite keine Gelegenheit verpasst, den Scheinprozess gegen das Kloster in die Länge zu ziehen und die Bewohner mit Ungewissheit über ihre Zukunft zu quälen. Offene Feindschaft gegenüber den Christen ist an der Tagesordnung, Einschüchterung eine Sportart gegen die “Ungläubigen”. Es wird alles getan, um des Klosters habhaft zu werden und damit eines der wertvollsten christlichen Zeugnisse endgültig zu zerstören.

Eine staatliche Übernahme des Klosters Mor Gabriel, das seit 397 besteht, bereits kurzzeitigen Vandalismus durch kurdische Besetzer überdauerte und trotz aller Hindernisse beinahe ununterbrochen sein traditionelles Klosterleben führte, wäre der Verlust eines der großartigsten Zeugnisse des Urchristentums in der Türkei. Ein Verlust, der nicht nur für das assyrische Volk im Tur Abdin das Aus bedeuten würde, sondern auch für die vielen wegen ihres christlichen Glaubens vertriebenen Assyrer, die durch dieses geistliche Zentrum noch mit ihrer ursprünglichen Heimat verbunden sind.

Das Schicksal des Klosters in kurdischer oder türkischer Hand wäre vorprogrammiert. Zerfall und Zerstörung oder Nutzung im Sinne des Islam, wären die Folgen, ebenso wie eine gänzliche Säuberung des Landes von Christen. Hoffnungen, die jetzt noch existieren, die christlichen Dörfer im Tur Abdin wieder aufzubauen, wie in Kafro, dem Rückkehrerdorf, hätten keine Zukunft mehr. Ohne Mor Gabriel ist der Tur Abdin zum Sterben verurteilt.

Um das nicht geschehen zu lassen, sind wir alle, die durch Glauben oder Gewissen noch Menschen geblieben sind, zu andauernder Solidarität mit dem Kloster Mor Gabriel und seinen Bewohnern verpflichtet.

http://pressemitteilung.ws/node/207927

Der Countdown läuft – Kloster Mor Gabriel vor nächstem Verhandlungstag

Bericht von Marianne Brückl

2010-05-04

Der Countdown im Fall des Enteignungsprozesses um eines der ältesten Klöster der Welt, des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel im Tur Abdin, läuft. Am 05. Mai wird Kuryakos Ergün, Vorsitzender der Klosterstiftung im Tur Abdin in der südosttürkischen Provinzstadt Midyat wieder vor Gericht stehen. Ob allerdings diesmal ein Urteil gefällt werden wird ist fraglich. Bereits mehrere Male war der Prozess um die laut türkischen Behörden widerrechtlich erbaute Klostermauer vertagt worden. Die Betroffenen rechnen erneut mit einer weiteren Verzögerung in der Urteilsfindung. 

Am Mittwoch ist es wieder einmal soweit. Nach mehreren Prozessverschiebungen muss Kuryakos Ergün,  der Stiftungsvorsitzende des syrisch-orthodoxen Klosters Mor Gabriel, erneut vor dem Midyater Gericht zu einer spektakulären Strafverhandlung erscheinen. Ihm wird vorgeworfen, widerrechtlich eine Mauer um das Kloster errichtet und dabei die Rechte des türkischen Staates verletzt zu haben. Die Schutzmauer, die gegen das Eindringen der benachbarten kurdischen Viehherden gebaut worden war, soll auf dem Boden eines Staatsforstes stehen und wird somit strafrechtlich verfolgt. Etliche Hektar Land vor der Klostermauer wurden durch die Entscheidung des Gerichts vom 24. Juli 2009, also kurz nach den für die Türkei nicht sehr schmeichelhaften EU-Wahlen, “annektiert”, indem das Land vor und hinter der Mauer als Wald deklariert wurde. Dagegen hat das Kloster Berufung eingelegt Zuvor hatte man Hoffnungen auf gerechte Entscheidungen der Gerichte geschürt, wie am 22. Mai 2009 durch das Teilergebnis über die Grundstücksgrenzen von Mor Gabriel zu Gunsten des Klosters kurz vor den EU-Wahlen geschehen. Würde jetzt ein negatives Urteil im Strafverfahren gefällt werden, würde das unweigerlich den Abriss der Mauer zur Folge haben und die Zukunft des Klosters in diesem Teil des Landes wäre damit dem Untergang geweiht. Die sorgfältig angelegten Obst- und Gemüsegärten zur Selbstversorgung des Klosters würden den kurdischen Viehherden zum Opfer fallen. und den Bewohnern die Lebensgrundlage entziehen. Sie müssten ihre Heimat verlassen. Dies führt zwangsläufig zur endgültigen Entchristianisierung und Auslöschung  des Urchristentums im Tur Abdin.

Die seit Ende des Jahres 2008 währenden Enteignungsprozesse um das mit wertvollste Zeugnis der Existenz des Christentums weit vor dem Islam, zeigen also nur einmal mehr die gegen die christliche Bevölkerung des Landes gerichtete Willkür des türkischen Staates. Einschüchterungskampagnen gegen Erzbischof Timotheus Samuel Aktas gehen einher mit Verzögerungs- und Hinhaltetaktiken. Im Berufungsverfahren um den so genannten Staatsforst ebenso, wie im damit verbundenen Strafverfahren gegen den Stiftungsvorsitzenden Ergün. Dabei lässt man sich mit den existenzrelevanten Entscheidungen für die Bewohner des Klosters Zeit, verstärkt deren seelische Qualen. Man lässt die Klosterbewohner durch regelmäßige Prozessverschiebungen, im Berufungs- und Strafverfahren im Ungewissen über ihr Schicksal. Man wartet darauf, dass die Aufmerksamkeit in Sachen “Mor Gabriel”, dem Zentrum des Christentums im Herzen des Tur Abdin in der Südost-Türkei in der Weltöffentlichkeit nachlässt und schließlich in Vergessenheit gerät. Das grausame Spiel einer Katze mit ihrer wehrlosen Beute, die stetig verletzt wird, aber nur in dem Maße, dass sie nicht endgültig verendet. Diese Beruhigungspille wirkt in Europa.

Mittlerweile haben sich viele Menschen auch an die ständigen Vertagungen im “Kaugummiprozess” gewöhnt. Das Interesse der Öffentlichkeit am Schicksal des 397 erbauten und somit zu einem der ältesten Klöster der Welt zählenden Mor Gabriel mit seinen Bewohnern ist beinahe erloschen. Es reisen zwar immer wieder politische Persönlichkeiten zu den angekündigten Prozessen an, doch wie lange noch, wenn die Verhandlungen aus fadenscheinigen Gründen stets nach wenigen Minuten wieder vertagt und damit Kosten generiert werden. Angesichts der herrschenden desolaten Wirtschaftslage ist absehbar, dass diese Kosten auf Dauer zu Buche schlagen. Ein weiteres Kalkül, das im Plan der islamischen Welteroberung aufgeht.

Mor Gabriel ist nur ein “kleines” Beispiel für die systematische Islamisierung weltweit. Ob wir uns nun Assyrer (Assyrer/Aramäer/Chaldäer), Kopten, Maroniten etc. nennen, wir alle sind eine christliche Gemeinschaft, die für die Anerkennung der Menschen als gleichwertige Geschöpfe auf unserem Planeten steht. Doch nur gemeinsam werden wir auch das “C” bewahren, das ohne unseren persönlichen Einsatz langsam einem “I” weichen wird und unter dessen Herrschaft statt Religions- und Meinungsfreiheit nur mehr Unterdrückung und Versklavung herrschen.

Es genügt nicht, nur für die Ungerechtigkeiten gegenüber den Christen zu beten, wir sind alle aufgefordert, uns auch für sie einzusetzen. Alle verfolgten Christen in den islamisch beherrschten Ländern brauchen dringende Unterstützung durch die Präsenz von engagierten Menschen, die vor Ort den Menschen zur Seite stehen, die aufgrund ihrer religiösen Überzeugung laufend Gewalt in allen erdenklichen Formen ausgesetzt sind. Ebenso müssen wir daran arbeiten, dass wir selbst nicht  eines Tages als “Ungläubige” auch in Europa zu Opfern dieser Gewalt werden.

http://pressemitteilung.ws/node/207511

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